Veröffentlichungen III
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Wenn sich in der Schule die Konzentration verabschiedet ist nicht immer nur der durchzechte Vorabend, die Trennung von der Freundin oder der bevorstehende Umzug schuld. Schweifen Studenten in andere Sphären, wenn sie sich nichts mehr aus Parabeln, Bilanzanalysen oder Textsorten machen, dann kann das viele Ursachen haben.
Die Palette der Gründe für Unkonzentriertheit und Ablenkung im Unterricht sind mannigfaltig gefächert. Doch der wohl grösste Störfaktor, der unablässig ins Hirn von uns Studenten bläst ist wohl unbestrittener Massen das Internet. Flüge müssen gebucht werden, die Auktion in Ebay neigt sich dem Ende zu oder man will sich auf einer der tausende Partyseiten vergewissern, ob deine Frisur gestern auch wirklich anständig gesessen hat. Alles immens wichtige Tätigkeiten, die zweifellos nicht auf später vertagt werden können, nicht einmal dann wenn sich der Dozent vorne am Rednerpult ins Feuer redet und alles tut, um ein Bröcklein Aufmerksamkeit der Studentenschaft zu erhaschen.
Womit wir auch schon beim Thema Kommunikation wären. Sich mitzuteilen ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Hierfür hat uns Gott mit allen möglichen Werkzeugen ausgestattet. Doch das für die Schule passendste Werkzeug für den zwischenmenschlichen Austausch stammt aus Amerika. Der Microsoft-Network-Messanger, kurz MSN-Messanger. MSN ist ein gottgleiches Tool. Es ermöglicht einem weit über die Grenze des Schulzimmers hinaus zu blicken und festzustellen, ob sich einer deiner Freunde (im Jargon: Buddies) an der Computer gesetzt hat und bereit ist eine distinguierte Unterhaltung zu beginnen. Diese Buddies werden dann grün wie die Hoffnung im Hauptfenster angezeigt und schlichter Doppelklick genügt um das Gegenüber aufzufordern, mit einem eine Unterhaltung anzufangen. Und schon ist man mittendrin im Vergnügen. Wie im richtigen Leben gibt es auch im MSN verschieden Arten der Kommunikation und es können die unterschiedlichsten Ausprägungen der Formulierungen ausgemacht werden. Da gibt es welche die schreiben schweizerdeutsch, andere wiederum bevorzugen das hochdeutsche, währenddessen wieder andere sich nur in beinahe unverständlichen Abkürzungen und Floskeln zu verständigen versuchen. Die Inhalte der Unterhaltungen sind da eben so unterschiedlich. Vom schlichten „Aaah, ich kann nicht mehr- will nach hause“, bis zum brachialen „gestern-super-duper“ oder zum lyrischen „Mon Amour, dein Antlitz überstrahlt selbst das funkeln des hellsten Sterns“ ist in den weiten des MSN-Chats alles zu finden.
Doch ganz egal was besprochen, verteufelt oder einfach nur daher gelabert wird, der Grund dafür bleibt der Gleiche: Zerstreuung, Ablenkung oder einfach nur mal kurz abschweifen. Das MSN durchbricht sämtliche Barrieren. Schulzimmerwände sind plötzlich inexistent, Distanzen werden unwichtig. Das ganze hat etwas metaphysisches und erfüllt den des Menschen seit Urzeiten gehegte und von Albert Einstein propagierten Traum der Relativität von Raum und Zeit. Im MSN ist es schlichtweg egal wo du oder deine Freunde sitzen. Eine Unterhaltung, ganz egal auf welchem Niveau, ist jederzeit und ohne jeglichen Kraftaufwand möglich.
Thanks God, äh, America.
