Text Miss-Schweiz-Wahl 2005
Miss-Schweiz-Wahlen 2005
Wenn es denn einen gäbe, würde jetzt der Vorhang fallen. Aber stattdessen wirbelt glitzernde Lametta durch den Saal und umspült den kristallenen Thron auf dem ein Geschöpf von aristokratischer Schönheit sitzt: Unsere neue Miss-Schweiz, Lauriane Gilliéron. Das Publikum hat den Saal längst verlassen, zu sehen gibt es hier für sie nichts mehr.
Schreiend und fluchend prügelt sich eine Meute von Fotografen um einen Blick von unserer diesjährigen Schönheitskönigin, die sich selber etwas ratlos den Treiben ergibt. Zu ihren Füssen kauert eine Stylistin mit einer Packung Nastücher, mit denen sie abwechselnd sich selbst und der Miss Tränen und Angstschweiss vom Gesicht wischt. Die ganze Szenerie mit Argusaugen beobachtend, steht neben dem Thron, wachsam wie ein Adler und bei unangebrachter Annäherung giftig wie eine Viper Karina Berger, die Miss aller Missen, die Wächterin und oberste Miss-Ideologin.
Noch vor wenigen Minuten stöckelten, tanzten und präsentierten sich auf der Bühne 16 der „schönsten“ Frauen der Schweiz. Allesamt Handverlesen aus 400 Bewerberinnen und während zwei mal einer Woche „Drill-Camp“ auf einem Kreuzfahrtschiff und in einem Tessiner Luxushotel auf Miss-Niveau geschliffen. Alles musste perfekt sein an diesem Abend. Vom Abendkleid von Lisbeth Egli, dessen Optik die älteren Semester in Erinnerungen an ihre Hochzeit schwelgen liess, bis hin zu den Tanzeinlagen mit den männlichen Tänzern. Denen merkte man selbst aus der 25. Sitzreihe an, dass sie sich mehr dem Weibe als dem Tanze verschrieben haben. Dass die im Hintergrund munter rieselnde Videoprojektion Erinnerungen an eine Gala aus den 70er Jahren weckte, störte in dem Moment nur noch wenig, denn eine Miss überzeugt durch ihr Auftreten und ebenso durch ihr Intellekt. So betonte die „Ex-Miss“ Fiona Hefti in Interviews mehrmals, dass eine gute Miss ebenso klug, wie schön sein müsse.
Die Voraussetzungen dafür waren in diesem Jahr gegeben: Gut die Hälfte der „Mädchen“ (Fachjargon) verfügen über eine abgeschlossene Matura oder zumindest Berufsmatura, einige wenige nur über eine Berufsausbildung und lediglich ein „Mädchen“ kann sich nicht mit schulischen Lorbeeren schmücken und jobbt mit abgebrochener Berufsausbildung als Schuhverkäuferin- sie wurde dann auch nicht gewählt, notabene.
Bei der Miss-Schweiz-Wahl soll das Dogma der Unvereinbarkeit von Schönheit und Intelligenz durchbrochen werden. Dieses Vorurteil zu eliminieren dient die Fragerunde mit den letzten drei Finalistinnen. Doch es ist ein hilfloser Versuch: Selbst das gescheiteste Wesen kann auf die Frage, was ihre Stärken und Schwächen sind nicht mit tiefgründigen Aussagen reagieren.
Der geneigte Zuschauer merkte sofort: Hier geht es doch nur um die Schönheit, um das Makellose, optisch wie auch charakterlich, hier wird eine Märchenprinzessin gewählt (ein Zitat von Ex-Miss Fiona Hefti). Die Gewinnerin muss eine Frau sein, die gewillt ist, die Rolle in dieser Seifenoper (ebenfalls O-Ton Fiona Hefti) ein Jahr lang glaubwürdig zu spielen.
Wir haben also eine neue Miss. Begleitet von zwei Sicherheitsleuten und von Karina Berger erhebt sich Lauriane Gilliéron zwanzig Minuten nach Ende der Show von ihrem Thron und entschwindet hinter die Bühne. Derweil stehen die anderen „Mädchen“ noch immer zusammen mit ihren Freunden und Familie auf der Bühne, umringt von Autogrammjägern und einigen Pressevertretern. Die meisten Journalisten und VIPs vergnügen sich zu dem Zeitpunkt längst am Aftershow-Galadinner bei Spinat-Omelett und Polenta. Die Flasche Champagner zu 96.—Franken, auch für Miss-Kandidatinnen.
Der schnelle Fall einer nicht gewählten Miss-Schweiz-Finalistin zeigt sich spätestens, als der Journalist beim Feierabendbier aus dem Pappbecher auf dem tristen Vorplatz des Centro Fevi in Locarno eben noch gefeierte Schönheiten im Abendkleid durch den Hinterausgang das Gebäude verlassen sieht. Die Mädchen schleppen ihre Taschen selber, stehen verloren in der kühlen Dunkelheit vor der Festhalle und warten. Wenn es regnen könnte, dann würde es jetzt regnen. Sie warten bis wieder etwas passiert, bis die Scheinwerfer wieder angehen, bis die Musik wieder zu spielen beginnt. Doch es passiert nichts. Die Show ist vorbei. Der Vorhang ist gefallen.
Wenn es denn einen gäbe, würde jetzt der Vorhang fallen. Aber stattdessen wirbelt glitzernde Lametta durch den Saal und umspült den kristallenen Thron auf dem ein Geschöpf von aristokratischer Schönheit sitzt: Unsere neue Miss-Schweiz, Lauriane Gilliéron. Das Publikum hat den Saal längst verlassen, zu sehen gibt es hier für sie nichts mehr.
Schreiend und fluchend prügelt sich eine Meute von Fotografen um einen Blick von unserer diesjährigen Schönheitskönigin, die sich selber etwas ratlos den Treiben ergibt. Zu ihren Füssen kauert eine Stylistin mit einer Packung Nastücher, mit denen sie abwechselnd sich selbst und der Miss Tränen und Angstschweiss vom Gesicht wischt. Die ganze Szenerie mit Argusaugen beobachtend, steht neben dem Thron, wachsam wie ein Adler und bei unangebrachter Annäherung giftig wie eine Viper Karina Berger, die Miss aller Missen, die Wächterin und oberste Miss-Ideologin.
Noch vor wenigen Minuten stöckelten, tanzten und präsentierten sich auf der Bühne 16 der „schönsten“ Frauen der Schweiz. Allesamt Handverlesen aus 400 Bewerberinnen und während zwei mal einer Woche „Drill-Camp“ auf einem Kreuzfahrtschiff und in einem Tessiner Luxushotel auf Miss-Niveau geschliffen. Alles musste perfekt sein an diesem Abend. Vom Abendkleid von Lisbeth Egli, dessen Optik die älteren Semester in Erinnerungen an ihre Hochzeit schwelgen liess, bis hin zu den Tanzeinlagen mit den männlichen Tänzern. Denen merkte man selbst aus der 25. Sitzreihe an, dass sie sich mehr dem Weibe als dem Tanze verschrieben haben. Dass die im Hintergrund munter rieselnde Videoprojektion Erinnerungen an eine Gala aus den 70er Jahren weckte, störte in dem Moment nur noch wenig, denn eine Miss überzeugt durch ihr Auftreten und ebenso durch ihr Intellekt. So betonte die „Ex-Miss“ Fiona Hefti in Interviews mehrmals, dass eine gute Miss ebenso klug, wie schön sein müsse.
Die Voraussetzungen dafür waren in diesem Jahr gegeben: Gut die Hälfte der „Mädchen“ (Fachjargon) verfügen über eine abgeschlossene Matura oder zumindest Berufsmatura, einige wenige nur über eine Berufsausbildung und lediglich ein „Mädchen“ kann sich nicht mit schulischen Lorbeeren schmücken und jobbt mit abgebrochener Berufsausbildung als Schuhverkäuferin- sie wurde dann auch nicht gewählt, notabene.
Bei der Miss-Schweiz-Wahl soll das Dogma der Unvereinbarkeit von Schönheit und Intelligenz durchbrochen werden. Dieses Vorurteil zu eliminieren dient die Fragerunde mit den letzten drei Finalistinnen. Doch es ist ein hilfloser Versuch: Selbst das gescheiteste Wesen kann auf die Frage, was ihre Stärken und Schwächen sind nicht mit tiefgründigen Aussagen reagieren.
Der geneigte Zuschauer merkte sofort: Hier geht es doch nur um die Schönheit, um das Makellose, optisch wie auch charakterlich, hier wird eine Märchenprinzessin gewählt (ein Zitat von Ex-Miss Fiona Hefti). Die Gewinnerin muss eine Frau sein, die gewillt ist, die Rolle in dieser Seifenoper (ebenfalls O-Ton Fiona Hefti) ein Jahr lang glaubwürdig zu spielen.
Wir haben also eine neue Miss. Begleitet von zwei Sicherheitsleuten und von Karina Berger erhebt sich Lauriane Gilliéron zwanzig Minuten nach Ende der Show von ihrem Thron und entschwindet hinter die Bühne. Derweil stehen die anderen „Mädchen“ noch immer zusammen mit ihren Freunden und Familie auf der Bühne, umringt von Autogrammjägern und einigen Pressevertretern. Die meisten Journalisten und VIPs vergnügen sich zu dem Zeitpunkt längst am Aftershow-Galadinner bei Spinat-Omelett und Polenta. Die Flasche Champagner zu 96.—Franken, auch für Miss-Kandidatinnen.
Der schnelle Fall einer nicht gewählten Miss-Schweiz-Finalistin zeigt sich spätestens, als der Journalist beim Feierabendbier aus dem Pappbecher auf dem tristen Vorplatz des Centro Fevi in Locarno eben noch gefeierte Schönheiten im Abendkleid durch den Hinterausgang das Gebäude verlassen sieht. Die Mädchen schleppen ihre Taschen selber, stehen verloren in der kühlen Dunkelheit vor der Festhalle und warten. Wenn es regnen könnte, dann würde es jetzt regnen. Sie warten bis wieder etwas passiert, bis die Scheinwerfer wieder angehen, bis die Musik wieder zu spielen beginnt. Doch es passiert nichts. Die Show ist vorbei. Der Vorhang ist gefallen.

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